Scala Contarini del bovolo

 


Scala Contarini del bovolo

In Glitzerwerk wühlende Hände,
getrieben vom Wunsch nach Besitz,
erwerben gefälligen Tand,
der schon bald vergessen verstaubt.

Nur wenige nehmen sich Zeit,
Venedigs Schätze zu heben,
die in der Verborgenheit sich
die zeitlose Schönheit bewahrt.

Ich kenne ein Marmorjuwel,
versteckt in winzigem Hofe,
erreichbar nur durch ein Gässchen,
das jedermann leicht übersieht.

Ein halbes Jahrtausend schon strebt
hinauf in schwindelnde Höhe
die Treppe. Ein Contarini
verschönte seinen Palast!

Sanft winden sich Säulen und Bögen,
aus weißem Marmor gefügt,
dem Blau des Himmels entgegen
in vollendeter Harmonie.

Wie Ränge in einem Theater
erheben sich mit dem Turm
die Loggien: Säulen und Bögen -
ein Traum aus dem alten Byzanz!

Entlang der steinernen Wendel
erkennt das forschende Auge
in den Fresken an brüchiger Wand
die Pracht vergangener Zeiten.

Und vom Altan schweift der Blick
hin über die Dächer Venedigs:
San Marco und ..della Salute
grüßen in stolzem Glanz.-

Errichtet zur Zier eines Hauses,
das längst die Bedeutung verlor,
rühmt das Bauwerk einzig den Meister,
dem solche Vollendung gelang ...

il bovolo - kleine Schnecke -
deinen Namen trägt das Juwel,
das als Krönung seiner Arbeit
ein Steinmetz Conti schuf!


© B.Siwik


Trasformazione

Verbanne dein Wissen über Straßen und Plätze,
über Brunnen und Brücken über Wasser und Stein.
Entflieh allem Zeitmaß, vergiss alle Zwänge:
Gib Raum dieser Stadt, in ihr Leben tauch ein.


Ihre Straßen sind Kanäle und zahllose Gassen -
eine jegliche hat ihr eignes Gesicht.
Zeit wird gemessen an der Eile der Strömung.
Rollende Räder: hier nützen sie nicht!

Verweile auf Plätzen, von Verkehr nicht umbrandet,
nur sanft überspielt von vielfachem Schritt.
Dort atmet Venedig im Gewande des Alltags,
der Fremden kaum achtend, dort teilt es sich mit.

Die Brücken zwar führen auch hier über Wasser,
doch nicht als Sklaven einer technischen Welt!
Sie leiten dich freundlich mit der Würde des Alters:
Arabresken einer Stadt, die kein Alter entstellt.

Die Brunnen Venedigs - einst gaben sie Wasser!
Ihr schrundiger Stein trägt geduldig als Gast
den Regen, die Vögel und spielende Kinder
und jeden der Ruhe dort sucht und Rast.

Die Wasser Venedigs in schillernden Farben
geben sich dienend, umschmeicheln die Stadt.
Und nagen doch hungrig an Bauten und Pfosten -
zerstörend, verschlingend und werden nicht satt ...

In Gleichmut ertragen die alten Palazzi
den tückischen Nager. Sie lassen ihn ein
zu Zeiten der Flut und im Dunkel der Nächte:
morbide Verbindung von Wasser und Stein.


© B.Siwik

 

 

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